EU Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Persönlichkeitsmerkmale in der Laufbahnberatung

Im Allgemeinen gilt: Lehrerinnen und Lehrer sollten eher kontaktbereit als (ausschließlich) sachbezogen, eher psychisch stabil als labil und eher selbstkontrolliert als unkontrolliert sein.

Diese Aussage lässt sich durch die Alltagserfahrung und durch wissenschaftliche Studien begründen: Kontaktbereite, stabile und selbstkontrollierte Lehrerinnen und Lehrer erfüllen ihre Aufgaben in der Regel erfolgreicher und sind im Beruf zufriedener als Personen mit gegenteiligen Eigenschaften. Sie werden daher in den Ergebnisrückmeldungen zum CCT-Persönlichkeitsfragebogen ermutigt, den Lehrerberuf anzustreben.

Im Detail betrachtet stellt sich die Situation jedoch komplexer dar,

  • weil die genannten Merkmale nicht für alle Kriterien des Berufserfolgs und der Berufszufriedenheit gleich günstig sind,
  • weil eine an sich günstige Eigenschaft auch so stark ausgeprägt sein kann, dass es schon „zuviel des Guten“ ist, und
  • weil auch in den im Allgemeinen ungünstigen Eigenschaften zumindest „im Keim“ ein Potenzial steckt, das für den Lehrerberuf wünschenswert ist.

Auf diese Differenzierungen wird in den Ergebnisrückmeldungen eingegangen, welche die Userinnen und User von CCT nach Bearbeitung des Persönlichkeitsfragebogens erhalten. Diese Informationen sind hier zusammengefasst abrufbar:

Zur Bedeutung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale für den Lehrerberuf

Ergänzend dazu finden Sie im folgenden Text vertiefende Informationen für Beraterinnen und Berater:

„Zuviel des Guten“ und „das Gute im Schlechten“

Grundsätzlich ergeben sich aus dem Persönlichkeitsansatz drei Optionen, die für die Laufbahnberatung im Blick behalten werden sollten:

  • Primäres Ziel ist die Wahl eines Berufes, in dem die eigenen Stärken optimal zur Geltung gebracht werden können und in denen die Schwächen möglichst wenig ins Gewicht fallen. Zum Beispiel sollten ausgeprägt sachorientierte Personen Berufe wählen, in denen sie mehr mit Sachen als mit Menschen zu tun haben; der Lehrerberuf ist jedoch ein Kontaktberuf.
  • Der Lehrerberuf kann auch von Personen erfolgreich ausgeübt werden, die im einen oder anderen Bereich Schwächen aufweisen: Wenn diese nicht zu gravierend sind, lassen sie sich durch die Entwicklung eines individuell passenden Unterrichts- und Erziehungsstils weitgehend kompensieren (Fallbeispiel).
  • Auch eine Entwicklung der Persönlichkeit ist prinzipiell möglich, bedarf in der Regel jedoch aufwändiger therapeutischer Unterstützung. Leichter möglich ist das Einüben von Verhaltensweisen, die Persönlichkeitsprobleme entschärfen, z.B. durch Trainings zum Zeitmanagement bei Personen mit geringer Selbstkontrolle oder das Aneignen von Coping-Strategien für den Umgang mit belastenden Situationen.

jm