EU Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Hinweise für Eltern und andere Laienberater

Diese Hinweise gelten sinngemäß auch für Verwandte, Bekannte, Lehrer/innen und sonstige Bezugspersonen von Schüler/innen und Student/innen, die vor einer Studien- oder Berufswahl stehen!

Liebe Eltern!

Wenn sich Jugendliche in der Phase der Studien- und Berufswahl befinden, dann sind Sie als Eltern ganz wichtige Berater/innen für Ihr Kind. Wenn in der Überschrift von „Laien“ die Rede ist, dann gilt das nur insofern, als Sie keine „professionellen Berater“ mit entsprechender Ausbildung sind - bezüglich des betreffenden Jugendlichen und seine ganz persönlichen Vorlieben, seine Stärken und auch seine Schwächen sind Sie durchaus „Experten“. Ihre Tochter oder Ihr Sohn weiß das, und hört deshalb vielleicht mehr auf Sie, als Ihnen das mitunter bewusst ist. Diese enge Beziehung ist Ihr großer Vorzug, es sind damit aber auch einige „Risikofaktoren“ verbunden, auf die wir Sie hinweisen möchten:

  • Sie wollen „das Beste“ für „Ihr Kind“ - und laufen deshalb vielleicht Gefahr, es mit ihren Meinungsäußerungen und Tipps zu sehr zu bedrängen. So mancher gute Ratschlag wird nur deshalb abgelehnt, weil er von den Eltern oder anderen wohlmeinenden Personen mit zu viel Nach-Druck vertreten wird – wer lässt sich schon gern unter Druck setzen, wenn es um seine eigene Zukunft geht?
  • Wir alle neigen mehr oder weniger dazu, anderen einen Beruf zu empfehlen, den wir selbst mit Begeisterung ausüben oder einen Beruf, den wir eigentlich lieber ausüben würden als unseren tatsächlichen. Wenn Sie einem jungem Menschen den Lehrerberuf empfehlen möchten, dann fragen Sie sich bitte, ob das nicht Ihr eigener, vielleicht schon fast vergessener Berufswunsch aus Jugendtagen ist, den nun Ihre Tochter oder Ihr Sohn verwirklichen soll. Oder vielleicht raten Sie deshalb von diesem Beruf ab, weil Sie Ihr Kind gern in einem bestimmten anderen "Traumberuf" sehen möchten? Und wenn sie selbst Lehrer/in sind: Vielleicht schließen Sie zu schnell von Ihrer eigenen Freude oder der eigenen Enttäuschung über diesen Beruf auf die Situation Ihres Kindes: Seine Interessen und seine Fähigkeiten können aber ganz andere sein als Ihre eigenen!
Bitte seien Sie sich dieser Faktoren bewusst, wenn Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn über ein Lehrerstudium und den Lehrerberuf sprechen! 
Was können Sie konkret tun?

Stehen Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn als Zuhörer/innen zur Verfügung, bei denen sie/er das Gefühl haben kann, verstanden zu werden. Das aufmerksame Zuhören und das interessierte Nachfragen (nicht Ausfragen!) kann ihrem Kind helfen, seine Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen auszudrücken und dadurch mehr Klarheit über den weiteren Lebensweg zu gewinnen.

Teilen Sie ruhig auch Ihre eigene Sicht der Dinge mit – im Bewusstsein, dass es Ihre ganz persönliche Sicht ist und nicht eine "objektive Wahrheit". Reden Sie also Ihrem Kind nichts ein und nichts aus. Vor allem die tatsächliche Entscheidung über die weitere Bildungs- und Berufslaufbahn sollten Sie getrost Ihrer Tochter bzw. Ihrem Sohn überlassen!

Zum Schluss noch ein spezieller Tipp: Bearbeiten Sie die in diesem Programm für Schüler/innen bzw. Student/innen enthaltenen Selbsterkundungs-Verfahren einmal probeweise stellvertretend für Ihr Kind - schätzen Sie also aus Ihrer Sicht die Interessen und die Persönlichkeit Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes ein. Wenn sie/er ebenfalls diese Selbsterkundungs-Verfahren bearbeitet, dann können sich aus dem Vergleich Ihrer Sichtweisen vielleicht anregende Gespräch ergeben!


Dass es gute Gespräche werden, das wünscht Ihnen Ihr CCT-Team

 

J.M.