EU Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Wie entsteht ein Regenbogen? Wir machen Mut, Physik als Fach für die Schule zu studieren

Michaela und Daniela, Referendarinnen für Physik, Deutschland 

Während unseres Studiums wurden wir des öfteren gefragt: Welche Fächer studierst du eigentlich? Bei der Beantwortung dieser Frage begegneten uns Erstaunen, Interesse und Entsetzen. Unsere Eltern, Freunde und Kommilitonen erinnerten sich meist mit Schrecken an ihren eigenen Physikunterricht. Außerdem waren viele der Meinung, dass wir ja dann absolute Physikexpertinnen sein müssten. Dies stimmt jedoch mit unseren eigenen Erfahrungen nicht überein. Als Voraussetzung für ein Lehrerstudium mit der Fachrichtung Physik sollte man neugierig auf physikalische Fragen sein und Spaß am Experimentieren haben.

Hast du dich schon mal gefragt:

  • Warum der Regenbogen gebogen ist und wie er überhaupt entsteht?
  • Warum wird ein Kühlschrank von außen warm?
  • Wie kann ich durch meine Brille sehen?
  • Hast du dich geärgert, dass im Physikunterricht häufig nur Kurven gezeichnet, Formeln gelernt und Mathematikaufgaben gerechnet werden?

Experimente, Umwelt erklären und Fächervernetzung: Du musst kein Physik-Experte sein! 

Das Physikstudium im Lehramt ist darauf ausgelegt, Experimente durchzuführen, zu beobachten, auszuprobieren, und zu lernen, wie die Interessen der Schüler für die physikalischen Phänomene geweckt werden können. Es wird also viel mehr Wert darauf gelegt, welche Unterrichtsmethoden und –themen den Physikunterricht abwechslungsreich, fesselnd und spannend machen.

Du musst somit kein Physikexperte sein und auch keinen Leistungskurs Physik belegt haben, denn das haben wir auch nicht. Du brauchst ein Interesse daran zu versuchen, dir und anderen die Umwelt zu erklären. Findest du es vielleicht auch spannend herauszubekommen, ob Deine Vermutungen und Erklärungsversuche stimmen? Im Studium lernst du, wie man Experimente gestaltet, durchführt und deren Ergebnisse analysiert. Darüber hinaus aber auch, wie man sie für Schüler vereinfachen kann und wie man physikalische Themen mit anderen Fächern verbinden kann. Welchen Einfluss hat zum Beispiel die Nutzung der Sonnenenergie auf das Leben von Nomaden oder für das Waldsterben? 

Kleine Seminare und intensive Betreuung während des Studiums 

Das Studium an der Uni Lüneburg hat uns wirklich sehr gut gefallen. Die meisten Seminare sind Praxisseminare, in denen man selber aktiv physikalische Versuche durchführt oder Unterrichtssituationen gestaltet und darüber diskutiert. Das Studium findet in Gruppen von höchstens 10 Studierenden statt und nicht wie in vielen Unterrichtsfächern mit bis zu 150 Studierenden. Somit wird man überall intensiv betreut, hat viele Möglichkeiten in der Physiksammlung herumzustöbern und kann Themen behandeln, die einen am meisten interessieren. Außerdem haben die Dozenten die Zeit, dir alle Fragen zu beantworten, so dass man nachher auch gut vorbereitet und ohne Angst ins Referendariat gehen kann. Nun haben wir so viel erzählt, wie wir unser Studium fanden. Aber wir haben dir noch gar nichts über uns erzählt. Also, nun dazu, wer diesen Artikel überhaupt geschrieben hat: 

Michaela: Ich freue mich auf mein Referendariat als Physiklehrerin
 

Ich bin 29 Jahre alt und habe vor kurzem mein Lehramtsstudium Schwerpunkt Hauptschule mit den Fächern Physik, Musik und Biologie erfolgreich beendet. Mein Weg dorthin war nicht geradlinig und führte erst über mehrere Umwege zum Ziel. Schon in der 6. Klasse stand für mich fest, dass ich Lehrerin werden möchte. In meiner Schulzeit waren die naturwissenschaftlichen Fächer und ganz besonders Physik die interessantesten und abwechslungsreichsten. 

Politischer Umbruch und Geburt meiner Tochter: Meilensteine auf dem Weg zur Physik
 

Das Vorhaben, Lehrerin zu werden, begann ich 1989 mit dem Beginn eines Studiums zur Unterstufenlehrerin in der ehemaligen DDR. Infolge des politischen Umbruchs brach ich aber ab und lernte zunächst den Beruf der Zahnarzthelferin. Die Geburt meiner Tochter im Jahr 1995 veranlasste mich dazu, innerhalb meines Erziehungsurlaubs die fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung für ein Lehramtsstudium abzulegen, da der Gedanke und Wunsch, doch noch Lehrerin zu werden, immer noch in mir schlummerte. So begann ich im WS 1997/98 mit dem Studium, welches ich nach 4 ½ Jahren mit dem ersten Staatsexamen beendete. 

Es war sicher nicht immer leicht, Studium, Kindererziehung, Haushalt und Nebenjob unter einen Hut zu bringen, aber mit einem bisschen Organisationstalent gelang auch das. In meinen Praktika an einer Hauptschule und an einer Orientierungsstufe konnte ich einen kleinen Einblick in die verantwortungsvolle, aber auch sehr schöne Aufgabe der Erziehung und des Unterrichtens Heranwachsender gewinnen. Ich bin davon überzeugt, dass der Lehrer heute mehr denn je pädagogisch und nicht nur fachwissenschaftlich vermittelnd tätig werden muss. Ich freue mich auf mein bevorstehendes Referendariat und hoffe, dass meine Ideale und Wünsche nicht verpuffen und ich mir meinen Optimismus bewahren kann. 

Daniela: Zuerst habe ich es mir nicht zugetraut, aber jetzt bin ich mit Begeisterung Physiklehrerin
 

Ich heiße Daniela und bin 26 Jahre alt und habe zusammen mit Michaela Physik an der Uni Lüneburg studiert. Mein erstes Interesse galt nicht der Physik. Nach meinem Abitur an einem technischen Gymnasium habe ich mich zuerst für das Grundschullehramt mit den Fächern Mathematik und Sachunterricht eingeschrieben. Auch ich gehörte zu den Studentinnen, die dachten, dass ich es nie schaffen würde Physik zu studieren.
Zum Glück hatte ich aber zwei Praktika in Haupt- und Realschulen, da die Plätze in der Grundschule überbesetzt waren. Somit hatte ich die Chance, am Physikunterricht teilzunehmen und ihn auch selber zu gestalten und was soll ich sagen? Es hat wirklich Spaß gemacht! Mehr Spaß sogar als der Physikunterricht in meiner eigenen Schulzeit, da ich mit den Schülern viele praktische Sachen machen konnte. 

Neben Fachwissen vor allem Begeisterung wichtig

Nach meinen Praktika nahm ich dann meinen Mut zusammen und besuchte einfach mal ein Physikseminar. Mir hat sofort gefallen, dass man in kleinen Gruppen arbeiten konnte und jede noch so doofe Frage von mir mit Geduld beantwortet wurde. Meinen Schrecken vor „sprühenden Funken“ und nicht funktionierenden Experimenten habe ich so nach und nach verloren und bemerkt, dass ich keine Expertin sein muss. Nun bin ich wirklich froh mit meiner Entscheidung, denn ich glaube, dass eine Lehrerin nicht nur Fachwissen haben muss, sondern Begeisterung.