EU Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Zuerst blauäugig ins Studium - Praxiserfahrung brachte dann Entscheidung für die Hauptschule

Maike W.; 25 Jahre; Hauptschullehramt 12. Semester, Deutschland 

Eigentlich wollte ich schon immer Lehrerin werden, weil mir das Arbeiten mit Kindern schon in meiner Schulzeit Freude brachte, außerdem war und bin ich aktiv in der Jugendarbeit tätig. Letzteres war ausschlaggebender Punkt für meine Entscheidung für das Lehramt an Hauptschulen. Anfangs ging ich wirklich blauäugig an mein Studium. Die Schulzeit war gar nicht vergleichbar mit dem Studium. Da waren dann erst einmal die Einführungstage, die bei mir absolute Verwirrung über mein Studium auslösten. 

Zunächst habe ich mein Studium sehr schleifen lassen, d.h. ich bin viel arbeiten gegangen und habe einfach nur das Studentenleben genossen. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass es ein Fehler war.....ich war damals jung und dachte, dass ich noch viel Zeit haben werde. Doch irgendwann lief mir die Zeit davon. Für mich stellte sich die Frage, warum ich eigentlich so lange studiere und ob ich wirklich überhaupt noch Lehrerin werden will. Im letzten Drittel meines Studiums habe ich auch daran gedacht, das Studium abzubrechen. Ich entschied mich dann doch gegen einen Abbruch, da mir die Praxis in der Schule wirklich großen Spaß gemacht hatte. 

Angst vor der Klasse zu stehen ist eine schlechte Unterrichtsvoraussetzung 

Es war wirklich ein schönes Gefühl, im dritten Semester das erste mal vor einer Klasse zu stehen, da die Schüler sehr offen waren und mich als Praktikantin mochten. Vielleicht hatte ich aber auch so wenig Probleme im Umgang mit der Klasse, da ich ja schon die jahrelange Jugendarbeit gewöhnt war. Was mich wunderte war, dass ich keine Angst hatte, vor der Klasse zu stehen, wobei ich sagen muss, dass Angst wirklich eine schlechte Voraussetzung des Unterrichtens ist. Die Schüler merken es sofort und nutzen diese Schwäche aus. 

Uni bereitet nicht auf Alltag in der Hauptschule vor
 

Mir waren vor meinem ersten Praktikum die Schwierigkeiten, die man mit ausländischen Schülern haben kann, nicht bewusst. Sprachbarrieren machten eine Kommunikation fast unmöglich. In der Uni lernt man zwar Dinge, wie man die Stundenplanung vorzunehmen hat, aber nicht, wie man sich solchen, an der Hauptschule wohl alltäglichen Problemen, stellen kann. Was mir außerdem als sehr wichtig erscheint: dass Fehler beim Unterrichten nicht immer negativ betrachtet werden müssen. Meine Fragen wurden beispielsweise von den Schülern nicht verstanden, so dass ich wirklich in anderen Kategorien zu denken lernte. Auch muss ich sagen, dass die Schüler einer Hauptschule eher nicht aus dem „normalen“ sozialen Umfeld stammen. Dementsprechend hoch war der Lärmpegel in den Klassen und die Schüler mussten ständig im Unterricht beschäftigt werden. 

Studium sollte praxisorientierter sein
 

Was mich aber auch wieder positiv stimmte war, das Erfolgserlebnis des Unterrichtens einmal hautnah miterleben zu können. Selbst nach den Ferien wussten die meisten Schüler noch den zuvor behandelten Stoff. Lehrerin würde ich an sich immer wieder werden wollen, aber wenn ich an mein Studium denke, würde ich dann doch zu einem anderen Berufsbild neigen. Studium hat viel zu tun mit Eigenständigkeit, Eigenverantwortung sowie Eigenorganisation. Ich tendiere nicht so stark zu diesen Eigenschaften. Wie ich bin und was ich mache, wusste ich bezüglich des Unterrichtens auch vor meinem Studium. Leider konnte ich mein Studium in der Schule nur partiell umsetzen. Der Stoff an der Uni ist spannend und man bekommt ein ungeheures Allgemeinwissen vermittelt, aber das bringt nichts bei Alltagsproblemen in einer Hauptschule.