EU Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Durch Selbsterkundung im Berufswunsch Lehrerin bestärkt

Julia Lubitz, Deutschland, Lehramtsstudentin an einer Pädagogischen Hochschule 


Ergebnisse der Selbsterkundungs-Verfahren in CCT bestärken mich in meiner Entscheidung, Lehrerin zu werden 

Auf der Internetseite http://www.cct-germany.de konnte ich im Selbsterkundungsgang für den Lehrerberuf einiges über meine Entscheidung für den Studiengang Lehramt in Erfahrung bringen. Nachdem ich die Bögen angekreuzt habe, ist mir aufgefallen, wie schwierig eine Selbsteinschätzung ist. Dennoch bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass nur der Lehrerberuf der für mich geeignete ist.

Schon vor Beginn meines Studiums habe ich sehr viel mit Kindern und Jugendlichen in verschieden Bereichen zusammengearbeitet. Nach der Beantwortung des Selbsterkundungsverfahrens zu Pädagogischen Vorerfahrungen wurde mir durch das Programm CCT bestätigt, dass ich ein realistisches Bild meiner pädagogischen Fähigkeiten habe. Ich kann dieser Auswertung des CCT weitgehend zustimmen. Die Erfahrungen, die ich mit Kindern und Jugendlichen gesammelt habe, belaufen sich zumeist auf außerschulische Aktivitäten. Kinder und Jugendliche verhalten sich in der Schule jedoch häufig anders. Ein Vergleich ist somit sehr schwierig. 

Dennoch ist mir durch die Planung und Organisation von Freizeiten bewusst geworden, wie groß die Verantwortung für das jüngere Schulkind ist, abgesehen von rechtlichen Grundlagen, Aufsichtspflicht, etc.. Bei meinen Lehrkursen für Erste Hilfe habe ich festgestellt wie unterschiedlich Kinder denken, handeln, fühlen, wenn sie mit bestimmten Situationen oder Lehrinhalten konfrontiert werden. Auch Kinder sind Individuen mit unterschiedlichen Charakteren. Die Auffassungsgabe, das Verständnis für gewisse Lehrinhalte und auch die Umsetzung mit dem Neuerlernten ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Diese Schwierigkeit ergibt sich demnach natürlich auch für den Schulunterricht. Ich bin mir somit über die Anforderungen im Lehrerberuf bewusst und habe auch ein realistisches Bild vom Lehrerberuf.

Nach der Auswertung der Tests bin ich mir sicher den richtigen Studiengang gewählt zu haben. Es bestärkt mich in meiner Entscheidung den schwierigen Gang des Lehrerberufes zu gehen. Denn in meinen Augen ist dies einer der schwierigsten Berufe unserer Gesellschaft. Wir bilden, fördern und erziehen neue Generationen. Abgesehen von den finanziellen Sparmaßnahmen unserer Politik ist es in meinen Augen wichtig, Menschen mit Engagement für den Lehrerberuf einzusetzen. Ich sehe mich in meiner späteren Rolle nicht nur als Lehrende von Fachwissen, sondern auch als Lehrende von Normen und Werten.

Enorme Verantwortung für Lehrkräfte: Die Kinder von heute sind die „Macher“ von morgen! 

Der Lehrerberuf erwartet von mir, dass ich Kinder für weiterführende Schulen (nach Grundschule) oder Berufsausbildungen (nach Hauptschule) vorbereite. Doch dies allein ist weder dem Land Baden- Württemberg noch mir genug. Die Kinder von Heute sind schließlich die „Macher“ von Morgen! Meiner Meinung nach ist dies eine enorme Verantwortung. Es werden keine Maschinen im Lehrerberuf gebaut, sondern Menschen für die Gesellschaft geformt. Wenn ein junger Mensch im Leben an bestimmten Situationen scheitert, so wird die Schuld häufig der Familie oder der Schule zugeschoben (wenn auch nur bei bestimmten prozentualen Anteilen). 

Mir ist bewusst, dass nicht immer alles so erfolgreich funktioniert, wie ich es erwarte. Denn wie schon beschrieben, habe ich die Erfahrung gemacht, dass Menschen individuell in ihrem Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten sind. Somit ist es unmöglich jedem Kind die gleiche Schulausbildung zu ermöglichen. Dass es zum scheitern von gewissen Aufgaben kommen wird, ist mir bewusst. Dazu gehören nicht nur Schüler, die eventuell ein Klassenziel nicht erreichen oder ein Schulausflug, der Aufgrund von finanziellen Mittel scheitert. Es gehört auch das Fehlverhalten von mir dazu. Auch ich werde nicht immer mit allen Kollegen auskommen, Kinder eventuell fehleinschätzen oder gar Unterrichtsstunden fehlplanen. Doch auch diese „Fehler“ oder besser „Erfahrungen“ bilden mich als Lehrer weiter. Bekanntlich sagt man: „Aus Fehlern lernt man!“ Aus meinen Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen habe ich gelernt, dass junge Menschen ein offenes und zumeist glückliches Bild unserer Welt haben. Nicht nur die Begeisterung für neues Wissen und für neue Erfahrungen lassen den Lehrenden im Herzen jung bleiben. Natürlich trifft dies nicht auf jeden Lehrer zu. 

Abgesehen vom Burn- Out- Syndrom gehören Lehrer zu der suizidgefährdetsten Berufsgruppen. Es ist gut möglich, dass ich zu Beginn meiner Ausbildung noch sehr optimistisch bin, positiv denke und versuchen werde immer alles Richtig zu machen. Es wird Momente, Situationen und Schüler geben, die mich an der Entscheidung Lehrerin zu werden zweifeln lassen. Auch solche Kinder habe ich schon erlebt. Z.B. hat ein Kind aus meiner DRK- Gruppe die stabile Seitenlage nicht verstanden. Ein Sachverhalt, der mir als logisch und einfach zu verstehen erschien. Doch es stellte sich heraus, dass es manchmal nicht einfach ist, sich in das geistige Niveau eines Kindes zu versetzen. Ich studiere im 2. Semester, bin erst seit einem Jahr aus der Schule raus. Ich habe demnach noch ein sehr genaues Bild von meinen eigenen Lehrern. Es gibt Lehrer, an die ich mich gerne erinnere, aber auch solche, die man eher vergessen möchte. Zum Teil liegt es an der Lehrerpersönlichkeit, die nicht mit meiner Vorstellung übereinstimmen. Aber es liegt auch am Umgang mit den Schülern und an den Unterrichtsmethoden. Einseitigkeit wie Frontalunterricht haben den eigenen Schulbesuch häufig langweilig und monoton gemacht. Diese noch nicht lange zurückliegenden Erfahrungen fördern mein Interesse, möglichst viele Unterrichtsmethoden zu erlernen. 

Ich möchte gerne eine engagierte Lehrerin werden!
 

Weiterhin empfinde ich es als unglaublich wichtig, sich auch während des Studiums auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen vorbereiten zu können. Wir waren zwar alle einmal Kinder und Jugendliche, doch die einen vergessen dies schneller als andere. Ich möchte zu denen gehören, die im Herzen „Jung“ bleiben. Das bedeutet für mich, dass ich als Lehrerin nicht mit dem Pausenklingeln das Klassenzimmer verlassen möchte und froh sein möchte nach Hause gehen zu dürfen. Der Lehrerberuf ist einer der Zeitaufwendigsten. Natürlich hat man die regulären Arbeitszeiten von ca. 8.00 – 15.00 Uhr. Doch es kommen weiterhin die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, Elternabende, Lehrerkonferenzen und Fortbildungen etc. hinzu. Gerade die Fortbildungen halte ich für sehr wichtig. Gerade im Zusammenhang mit LRS hat sich in der Pädagogik viel entwickelt. Schulreformen, neue Lehrpläne, etc.. Um im Beruf nicht zu stagnieren ist es wichtig sich weiterzubilden. 

Natürlich hat sich auch bei mir in Gesprächen mit Kommilitonen der Eindruck ergeben, dass einige nur auf Lehramt studieren, weil kein NC auf dem Studiengang war, weil man später viele Ferien hat, weil man nicht so viel lernen muss oder weil man Wartesemester für einen anderen Studiengang benötigt. Dies ist natürlich erschreckend, weil auch diese Menschen einmal auf Kinder „losgelassen“ werden.

Es erschließt sich aber aus Gesprächen auch, dass ein viel größerer Prozentsatz der StudentenInnen der Pädagogischen Hochschule Weingarten wirklich am Lehrerberuf interessiert ist. Der demotivierte Eindruck, häufig nach Vorlesungen, täuscht. Ich halte es für wichtig Vorlesungen für Didaktik und Erziehungswissenschaft zu besuchen. Doch auch in meinen Vorlesungen erlebe ich die Wahrnehmung von Lehrerpersönlichkeiten. Die einen entsprechen meinen Vorstellungen, andere nicht. Ich möchte Lehrerin werden, weil ich es als Ziel meiner zukünftigen Lehrerpersönlichkeit sehe, junge Menschen für das Leben (die Gesellschaft) zu öffnen und sie bei ihrer Bildungsentwicklung zu begleiten.