EU Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Man wird im Studium nicht auf das Unterrichten vorbereitet

Christiane Kux, Deutschland 

Das Studium hat mich sehr wenig bis gar nicht darauf vorbereitet, auf mein Referendariat, meint Christiane Kux. In einem halben Jahr wird die 27-jährige Studienrätin sein und an einem Gymnasium unterrichten – nach ihrem zweiten Staatsexamen. 

Aus Fehlern lernen: Was das Lehramtsstudium nicht vermittelt
 

„Glücklicherweise ist es im Referendariat häufig so, dass einem der Ausbildungsstatus zuerkannt wird – sprich, dass man wirklich auch Fehler machen darf und nur auf diese Weise lernt. Aber es war schon eine strikte Trennung und der Schulbezug hat mir im Studium sehr gefehlt.“

Als könnten Gymnasiallehrer heute wie vor 100 Jahren dozierend vor ihrer Klasse stehen, werden vor allem die künftigen Studienräte noch immer mit Fachwissen geradewegs zugeschüttet. So wie das Studium organisiert war, konnte Christiane Kux hingegen ihre Scheine für Didaktik und Erziehungswissenschaften nur nebenbei machen. Eigentlich studierte sie in der ersten Phase ihrer Ausbildung über gut sechs Jahre nur ihre beiden Fächer: Mathematik und Musik. Im Referendariat aber musste sie bald ins kalte Wasser springen und unterrichten. Wöchentlich sieben Stunden steht sie inzwischen vorwiegend allein vor verschiedenen Klassen:

„Und ich habe bei mir selber festgestellt, dass ich mich an meine eigenen Schulzeit erinnert habe, also ganz weit zurück gehen musste und nicht auf das Studium zurückgreifen konnte; dann einfach profitiert habe, dass ich auch während meiner Schulzeit z.T. Nachhilfe gegeben habe, also dort auch diese einzelnen Schritte schon mal intensiver nachvollziehen konnte. Und während des Studiums war dann ein anderer Fokus gegeben, einfach auf die Fachwissenschaft und jetzt zu Beginn des Referendariats muss man sich noch mal zurück versetzen und ich denke, es liegt für manche noch weiter weg, so dass es noch mal schwieriger ist.“

Als Studentin war sich Christiane Kux unsicher ob sie vor einer Klasse bestehen würde. Deshalb verordnete sie sich selbst zusätzlich acht Monate Schulpraxis: als Fremdsprachenassistentin in Frankreich. Nun, während des Referendariats, in den Pädagogik- und Psychologiestunden sowie in den Fachseminaren in Musik und Mathematik sammelt sie weiter praktische Erfahrungen und Wissen.

zitiert nach einer Sendung „Zeitfragen“ des Deutschlandfunks: 
Der Fortschritt ist eine Schnecke. Lehrer lernen lehren. 
Ein Feature von Barbara Leitner. 
Es sprach: Markus Hoffmann. Regie: Steffi Ruh. 
Produktion Deutschlandradio Berlin 2001. 
"Deutschlandradio"